Über Jahrzehnte hinweg gingen Unternehmen bei ihren Transformationsprojekten nach demselben Schema vor. Sie digitalisierten Prozesse, stiegen auf die Cloud um, standardisierten ihre Abläufe und optimierten diese dann nach und nach.
Die Investitionen in diese Transformationen sind von entscheidender Bedeutung. Für Unternehmen war dies jedoch nicht die Ziellinie, sondern sie haben damit eine Grundlage geschaffen. Und genau von dieser Grundlage profitieren sie heute bei der Einführung von KI-Lösungen, mit denen sie messbare Geschäftsergebnisse erzielen möchten.
Doch noch ein weiteres Element dieser Grundlage gewinnt zunehmend an Bedeutung: Daten. Die größte Wertschöpfung mit KI können Unternehmen erzielen, die in eine Datengrundlage investiert haben – denn damit steht KI-Lösungen vertrauenswürdiger Geschäftskontext zur Verfügung, der es ihnen ermöglicht, Schlüsse zu ziehen, Empfehlungen zu unterbreiten und Aktionen auszuführen.
In meinen Gesprächen mit Kunden in der Region Amerika und weltweit zeichnet sich nun ein neues Muster ab. Es geht weniger um die möglichen Anwendungsszenarien für KI, sondern vielmehr darum, was passiert, wenn intelligente Technologien in die zentralen Abläufe eines Unternehmens integriert werden.
Auch wenn eine Transformation stets an den individuellen Anforderungen eines Unternehmens ausgerichtet ist, sind drei Entwicklungen erkennbar, die allen Transformationsprojekten gemeinsam sind.
1. Von KI-Anwendungsfällen zu intelligenten Geschäftsprozessen
In der ersten Welle der KI-Einführung ging es vor allem darum, den Mehrwert von KI nachzuweisen. Unternehmen haben Anwendungsfälle mit besonders großem Nutzen ermittelt, damit messbare Ergebnisse erzielt und Vertrauen aufgebaut, dass KI zur Optimierung von Prozessen beitragen kann.
Daran arbeiten sie weiter. Kunden fragen sich jedoch zunehmend, wie intelligente Technologien in den Geschäftsprozessen verankert werden können, mit denen ihre Mitarbeitenden täglich arbeiten. In der Praxis gibt es dafür bereits konkrete Beispiele.
Das brasilianische Unternehmen HR Path Brazil bietet Recruiting und Talentmanagement für internationale Unternehmen und nutzt beispielsweise die in Âé¶¹Ô´´ SuccessFactors HCM integrierte Lösung Joule, um typische Interaktionen im Personalwesen zu automatisieren. Die Mitarbeitenden von HR Path Brazil können damit die benötigten Informationen schneller auffinden und HR-Teams bleibt mehr Zeit für strategische Aufgaben. Das Unternehmen war dadurch in der Lage, die Zahl der Standard-Supportfälle im Personalwesen um sieben Prozent und die Arbeitslast des HR-Supportteams um zwei Stunden pro Woche zu verringern. Daraus ergibt sich schnell ein erhebliches Einsparpotenzial. Dieses Beispiel zeigt, wie integrierte und vernetzte KI-Lösungen zum festen Bestandteil von Arbeitsabläufen werden.
2. Von der Messung der KI-Nutzung zur Messung der mit KI erzielten Geschäftsergebnisse
Eine der größten Veränderungen, die ich derzeit beobachte, betrifft die Art und Weise, wie Unternehmen Erfolg definieren. Der ROI wird zunehmend zu einer festen Größe. Das belegen auch Untersuchungen, insbesondere eine diese Woche veröffentliche Studie von Oxford Economics. Sie zeigt, dass Unternehmen, die in KI investieren, dieses Jahr mit einer durchschnittliche Rendite von 21 % rechnen und in zwei Jahren bereits mit 38 %. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Entwicklung von Agentic AI prognostizieren Fachleute zudem eine Rendite in Höhe von 17,6 Millionen US-Dollar. Damit haben sich die Schätzungen aus dem vergangenen Jahr, die bei 4,3 Millionen US-Dollar lagen, mehr als vervierfacht.
Unternehmen können deshalb gezielt der Frage nachgehen, welche Geschäftsergebnisse ihre KI ermöglicht. Sie wollen wissen, wie sie Zykluszeiten verkürzen und bessere Entscheidungen treffen können. Von Interesse ist für sie außerdem, ob KI ihre Mitarbeitenden entlastet, sodass ihnen mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten bleibt. Und schließlich geht es für sie auch um die Frage, ob KI ihnen hilft, resilienter zu werden und schneller zu reagieren.
Dieser Wandel ist deshalb von Bedeutung, weil er zeigt, dass sich der Schwerpunkt von der Implementierung von Technologie hin zur Verbesserung der Unternehmensleistung verlagert.
3. Von Aufzeichnungssystemen zum neuen Betriebssystem für das Unternehmen
Die dritte Entwicklung wird nach meiner Einschätzung langfristig die größten Auswirkungen haben. Jahrzehntelang bildete Unternehmenssoftware in erster Linie Transaktionen, standardisierte Prozesse und automatisierte Routinetätigkeiten ab. Nun unterstützt sie Unternehmen zunehmend dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, empfiehlt geeignete Maßnahmen, koordiniert Arbeitsabläufe funktionsübergreifend und trifft immer häufiger Routineentscheidungen, die dann von Menschen kontrolliert werden.
Aus diesem Grund ist für mich das autonome Unternehmen weit mehr als nur die nächste Phase der Automatisierung. Es steht für ein neues Geschäftsmodell.
Im autonomen Unternehmen sind Mitarbeitende nicht länger damit beschäftigt, Informationen aus dem Finanzwesen, der Lieferkette, der Beschaffung, der Personalabteilung und den Geschäftsprozessen der Kunden miteinander zu verknüpfen, um daraus weitere Maßnahmen abzuleiten. Vielmehr sind intelligente Systeme zunehmend in der Lage, Kontextinformationen bereitzustellen, Empfehlungen zu unterbreiten, Arbeitsabläufe zu koordinieren und Teams bei der Umsetzung von Strategien unterstützen.
Dabei bleibt die Kontrolle stets beim Menschen. Er wird jedoch von Unternehmenssoftware unterstützt, die direkt in die Geschäftsprozesse des Unternehmens eingebunden ist und aktiv zu deren Ausführung beiträgt – statt lediglich aufzuzeichnen, was bereits geschehen ist.
Wo die Reise hinführt
Von den größten langfristigen Vorteilen werden nicht die Unternehmen profitieren, die die meisten KI-Anwendungsfälle implementieren. Den größten Nutzen werden vielmehr diejenigen erzielen, die diese ersten Erfolge als Grundlage dafür nutzen, die Arbeitsabläufe im gesamten Unternehmen von Grund auf neu zu gestalten.
Die Entwicklung zum autonomen Unternehmen ist ein längerer Prozess, für den auch in Zukunft eine starke Führungskultur, Governance und qualifizierte Mitarbeitende erforderlich sein werden. Diese werden sogar noch wichtiger werden.
Sehr wahrscheinlich werden wir irgendwann so auf die aktuellen KI-Projekte zurückblicken, wie wir heute auf die Anfänge der Cloud-Transformation zurückblicken: Wir werden sie nicht als Ziel betrachten, sondern als Grundlage für ein völlig neues Betriebsmodell und neue Möglichkeiten, kontinuierliche Innovationen voranzubringen.
Die wahren Profiteure dieses Wandels werden die Unternehmen sein, die zunehmend intelligenter, anpassungsfähiger und autonomer werden.
Jan Gilg ist Mitglied des erweiterten Vorstands der Âé¶¹Ô´´ SE und Global President of Customer Success & Americas.


