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Erneuerbare Energien als Rückgrat Afrikas: KETRACO setzt auf Smart-Grid-Technologien

Aufnahme einer gut gekleideten jungen Frau im Halbporträt; sie steht in der Lounge eines Open-Air-Bürogebäudes, hält einen Laptop und lächelt in die Kamera.

Aufnahme einer gut gekleideten jungen Frau im Halbporträt; sie steht in der Lounge eines Open-Air-Bürogebäudes, hält einen Laptop und lächelt in die Kamera.

Stellen Sie sich vor, in abgelegenen Regionen Hochspannungsleitungen verlegen zu müssen – auf vulkanischem Gebiet, an steilen Abhängen, in erdbebengefährdeten Gebieten und an geothermischen Hotspots. Eine weitere Herausforderung kommt hinzu: die Auseinandersetzung mit den Bewohnern der Gemeinden, denn Bauprojekte in Naturschutzgebieten sind politisch heikel.

Das Überangebot bewältigen

Dies sind nur einige der Herausforderungen, denen sich das KETRACO stellen muss. Der Energiesektor in Afrika befindet sich im Wandel − von einem zentralisierten Stromsystem hin zu einem diversifizierten Netz auf Basis erneuerbarer Energien.

„Erneuerbare Energie ist im Überfluss vorhanden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, sie zu verwalten, zu integrieren und zu stabilisieren“, erklärte Dr. Njogu Kimando, Energieexperte bei KETRACO, auf der Konferenz TAC Insights for in Toulouse. „Für die Energiewende stehen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Komplexität in Echtzeit zu beherrschen.“

Geothermische Energie aus dem Great Rift Valley liefert etwa 40 Prozent des Stroms in der Region. Damit ist Kenia der größte Geothermieproduzent Afrikas. Rund 24 Prozent werden durch Wasserkraft aus Flüssen erzeugt. Der restliche Bedarf wird durch Wind- und Solarenergie gedeckt. Die Windenergie stammt hauptsächlich von Afrikas größtem Windpark am Turkanasee. Der am schnellsten wachsende Sektor ist die Solarenergie, die in ländlichen Haushalten und Unternehmen weit verbreitet ist. Weltweit weist Kenia eine der höchsten Verbreitungsraten von Photovoltaikanlagen in Privathaushalten auf.

Erneuerbare Energien senken zwar die Kosten, unterstützen die Klimaziele und gewährleisten die Energieversorgungssicherheit. Zu den Herausforderungen zählen jedoch dürrebedingte Wasserknappheit, Schwankungen bei Sonne und Wind sowie Netzinstabilität.

Die Energiewende nutzen: Widerstandsfähigkeit stärken, gesetzliche Vorgaben erfüllen und profitabel wachsen

Fehlende synchronisierte Intelligenz

Im traditionellen Stromnetz wird Energie in wenigen zentralen Kraftwerken erzeugt. Dies schafft eine stabile Versorgungsquelle, die sich anhand von Bedarfsprognosen einfach steuern lässt. Die Erzeugung erneuerbarer Energien ist jedoch vom Wetter abhängig und schwankt, was Echtzeitüberwachung, schnellen Ausgleich und eine dynamischere Systemsteuerung erfordert.

Bei modernen Stromsystemen mangelt es nicht an Daten. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass eine einheitliche Echtzeit-Übersicht über fragmentierte Systeme hinweg fehlt. Dies schränkt die Möglichkeit ein, operative Entscheidungen zeitnah und koordiniert zu treffen. 

„Wir gleichen ständig Angebot und Nachfrage aus“, so Kimando. „Wir haben zu wenig Echtzeit-Transparenz über Erzeugungsquellen, Übertragungsanlagen und Verbrauchsmuster hinweg.“

Mit der Expansion erneuerbarer Energien hat sich die Rolle von KETRACO gewandelt. Das Unternehmen baut und betreibt nicht mehr nur Übertragungsleitungen, sondern steuert Stromflüsse in Echtzeit, koordiniert schwankende Energieerzeugung und gewährleistet Netzstabilität und Zuverlässigkeit. Bei diesen Aufgaben setzt das Unternehmen auf digitale Systeme.

Kimando stellte die neue, integrierte Smart-Grid-Infrastruktur des Unternehmens vor. Sie bildet eine durchgängige digitale Wertschöpfungskette und dient als Grundlage für den digitalen Zwilling für das Netz und verknüpft operative Technologie mit Unternehmenssystemen und komplexen Analysen.

Daten werden von SCADA, einem industriellen Kontrollsystem für Infrastruktur und Versorgungsnetzwerke, erfasst und sicher über die Middleware der Âé¶¹Ô­´´ Business Technology Platform an Âé¶¹Ô­´´ S/4HANA weitergeleitet. Dieses System dient als Rückgrat des Unternehmens. Hier werden operative Daten in strukturierte Geschäftsprozesse übersetzt. 

Von Daten zu Entscheidungen

„Wir setzen auf Technologie der Âé¶¹Ô­´´, um diese Rohdaten in vorausschauende, umsetzbare Erkenntnisse zu verwandeln“, sagte Kimando. Als Beispiele nannte er die Verwaltung von Anlagenlebenszyklen und Kennzahlen zur Reduzierung von Ausfällen – Ansätze, um von reaktiver Wartung zu Prognosen der Netzzuverlässigkeit überzugehen. „Die Digitale Transformation ist keine technologische Entscheidung mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Es ist ein Balanceakt zwischen Werten und Risiken.“

Für KETRACO besteht das Ziel darin, den vollen Wert erneuerbarer Energien zu erschließen und gleichzeitig die steigenden Risiken des Betriebs in einem komplexen und dynamischen Energieumfeld zu vermeiden. Untätigkeit führt zu Netzinstabilität und betrieblicher Ineffizienz, zu unzureichender Nutzung von Energieinvestitionen, steigenden Kosten sowie regulatorischen Risiken und Compliance-Risiken. Datengestützte Maßnahmen führen zu höherer Wirtschaftlichkeit und besseren Investitionsentscheidungen. Zudem erhöht dies die betriebliche Widerstandsfähigkeit durch weniger Ausfälle und schnellere Wiederherstellung des Systems.

„Zusammengenommen stärkt dies unsere s trategische Positionierung für die Energiewende und die Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Vorgaben“, erklärte Kimando.

Die nächste Herausforderung

Bei KETRACO gilt KI als Multiplikator für Kapazität. Dadurch wird der entscheidende Wechsel vom ressourcenintensiven Netzausbau zur intelligenzgesteuerten Netzoptimierung ermöglicht. 

„Die KI hilft uns, mit der selben Belegschaft mehr zu erreichen. Unsere Ingenieure werden unterstützt, aber nicht ersetzt“, teilte der Experte mit. „Automatisierung ermöglicht unseren Mitarbeitenden, sich stärker auf Vorhersagbarkeit und Entscheidungsfindung zu konzentrieren.“

Die KI unterstützt auch langfristige Nachhaltigkeitsziele, denn durch das Simulieren von Szenarien, bevor eine Investition getätigt wird, lassen sich Fehler vermeiden und Kosten senken. Darüber hinaus ermöglicht sie auch selbstoptimierenden Netzbetrieb, sie reduziert den Bedarf an manuellen Eingriffen und verbessert die Zusammenarbeit und Integration zwischen regionalen Stromsystemen und bei grenzüberschreitenden Energietransfers.

Die Aufgabe von KETRACO besteht darin, Strom zu den Verbrauchern in ganz Kenia zu bringen und das Land an den größeren ostafrikanischen Strommarkt anzubinden. Die Bedeutung des Unternehmens wächst, da Kenia zu einem Zentrum für erneuerbare Energien geworden ist und seine Geothermie-, Wind- und Wasserkrafterzeugung ausbaut. Ohne seine Übertragungsinfrastruktur könnte ein Großteil der erneuerbaren Energie Kenias nicht effizient an Verbraucher oder Nachbarländer geliefert werden.

Abschließend fasste Kimando zusammen, wie die digitale Transformation die Verwaltung, Stabilisierung und Optimierung von Strom grundlegend verändert: Erneuerbare Energien seien vor allem eine systemische Herausforderung – nicht primär eine technologische. Entscheidend sei, dass sich die Technologie an den betrieblichen Abläufen und der Strategie orientiere. Kontrolle entstehe durch Transparenz und Integration, während Partnerschaften eine raschere Skalierung und Umsetzung ermöglichten.

„Das Stromnetz der Zukunft wird nicht dadurch definiert, wie viel Energie wir erzeugen, sondern wie intelligent wir sie verwalten“, resümierte er. 

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