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Souveräne Dateninfrastruktur in Europa: unerlässlich oder gar nicht das zentrale Thema?

Wide shot of female IT professional holding laptop while walking through server racks in data center

Die Bemühungen um souveräne KI-Rechenzentren in Europa (und anderswo) zeigen, dass das Thema IT-Infrastruktur von Unternehmen, politischen Entscheidungsträger und Politikern mittlerweile anders wahrgenommen wird. Aufgrund der wachsenden Bedeutung von Unternehmens-KI werden Rechenkapazitäten nicht mehr „nur“ als IT-Infrastruktur betrachtet, sondern als strategische Infrastruktur wie Energie oder Telekommunikation.

KI-Infrastruktur als strategischer Faktor

Auch wenn eine eigene Infrastruktur nur ein Element einer Strategie für digitale Souveränität ist, haben europäische Politiker und politische Entscheidungsträger die Meinung vertreten, dass Europa ohne inländische Rechenzentren Gefahr läuft, von US-amerikanischen und chinesischen Anbietern wichtiger KI-Technologien abhängig zu werden.

Diese Sorge wird von einigen Branchenführern geteilt – insbesondere im Finanzwesen und in regulierten Branchen –, die die KI-Infrastruktur zunehmend als Grundlage für wirtschaftliche Sicherheit betrachten. Konkret vertreten sie den Standpunkt, dass Unternehmen durch souveräne Rechenzentren in der Lage sind, strenge europäische Vorschriften zum Datenschutz und zur KI-Governance einzuhalten. Sie sagen, dass eine lokal betriebene Infrastruktur sicherstellt, dass die Daten weiterhin europäischem Recht unterliegen, wodurch das Risiko sinkt, ausländischen Rechtsordnungen unterworfen zu sein, und das Vertrauen zwischen Kunden und Regulierungsbehörden gestärkt wird.

Sicherheits- und Complianceanforderungen

Europäische Führungskräfte betrachten die KI-Infrastruktur auch als Absicherung gegen geopolitische Risiken. Sie sind der Ansicht, dass die Abhängigkeit von externen Anbietern zu einer größeren Verwundbarkeit führt, sei es durch rechtliche Risiken, Unterbrechungen von Lieferketten oder politische Spannungen.

Wie Christian Klein, CEO der Âé¶¹Ô­´´Â SE, im vergangenen Monat auf der Âé¶¹Ô­´´Â Sapphire in Madrid bemerkte, sind viele europäische Kunden im öffentlichen Sektor oder in anderen stark regulierten Branchen tätig. „Geopolitische Risiken sind ein zunehmendes Problem“, sagte er. „Was ist, wenn durch Sanktionen plötzlich der Datenfluss über Grenzen hinweg blockiert wird? Oder wenn die neuesten großen Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) in bestimmten Regionen nicht genutzt werden können?“

Âé¶¹Ô­´´ schützt Daten, Abläufe, Vertrauen und Wachstum

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hob diese Sorge auch in ihrer Rede vom November 2025 mit dem Titel hervor und wies darauf hin, dass Europa in kritischen Bereichen wie Rechenzentren und Rechenleistung „die Abhängigkeit von einzelnen Komponenten vermeiden muss, deren Ausfall zum Ausfall des gesamten Systems führt“.  

Befürworter einer souveränen KI-Infrastruktur sind auch davon überzeugt, dass diese ein breiteres Wirtschaftswachstum fördern kann. Rechenzentren stützen häufig die Ökosysteme von Start-ups, Forschungseinrichtungen und industriellen Anwendungen, sodass Europa stärker von der KI-Infrastruktur profitieren kann.

Aus technischer Sicht ist auch die Nähe wichtig. Lokal angesiedelte Rechenzentren reduzieren die Latenzzeit und verbessern die Performance für KI-Anwendungen, insbesondere bei Anwendungen, die Echtzeitverarbeitung oder die Integration in industrielle Systeme erfordern.

Doch trotz dieser vermeintlichen Vorteile haben viele europäische Unternehmenslenker die politischen Entscheidungsträger aufgefordert, einen moderateren, differenzierteren Ansatz beim Umgang mit souveränen Daten zu verfolgen. Was ihnen Sorge bereitet, ist nicht Datensouveränität an sich, sondern die Art und Weise, wie sie umgesetzt wird – nämlich in erster Linie durch den forcierten Bau neuer, im Inland kontrollierter KI-Rechenzentren. Sie betonen, dass Datenresidenz (Speicherort) nur ein Element der vier Grundpfeiler einer Strategie für souveräne Daten ist, zu der auch die rechtliche Souveränität (hoheitliche Kontrolle), die betriebliche Souveränität (unabhängiger Betrieb) und die technische Souveränität (Datenkontrolle) gehören.

In Gesprächen mit politischen Entscheidern warnen europäische Führungskräfte aus verschiedenen Branchen davor, dass es unrealistisch ist, die Abhängigkeit von US-Technologie zu schnell zu verringern. Dies spiegelt eine strukturelle Realität wider: Europa ist nach wie vor stark abhängig von nicht europäischen Anbietern von Cloudinfrastrukturen, Chips und KI-Plattformen.

Laut einer Studie des schweizerischen Cloudanbieters Proton setzen rund 75 % der börsennotierten europäischen Unternehmen auf US-Technologiedienste (vor allem Microsoft und Google) für kritische Infrastruktur, einschließlich E-Mail, Cloud und Software. Schnell die Anbieter zu wechseln, könnte jedoch dazu führen, dass Betriebsabläufe unterbrochen werden, ohne echte Alternativen zu bieten.

Hindernisse und Bedenken

Selbst die glühendsten Verfechter einer souveränen KI-Infrastruktur geben zu, dass für den Aufbau massiver KI-Rechenzentren in Europa große praktische Hürden zu überwinden sind, unter anderem im Bereich Energie. KI-Rechenzentren sind äußerst energieintensiv, und Europa muss sich bereits mit Netzengpässen, hohen Strompreisen und langen Genehmigungszeiten auseinandersetzen.

Ohne erhebliche Investitionen in die Energiesysteme könnten, so die Warnung einiger europäischer Unternehmenslenker, Projekte für neue Rechenzentren verzögert werden, sich als teurer als geplant erweisen oder eingestellt werden.

Ein weitere Sorge ist, dass eine auf Souveränität ausgerichtete Politik, die die Infrastruktur in den Mittelpunkt stellt, die Märkte verzerren könnte. Kritiker warnen, dass Infrastruktursubventionen an weniger wettbewerbsfähige inländische Anbieter fließen könnten, was zu langsameren Innovationen und einer Fehlleitung von Ressourcen in politisch motivierte statt wirtschaftlich tragfähige Projekte führen könnte.

Demnach besteht die Gefahr, dass Souveränität zur Industriepolitik um ihrer selbst willen wird, statt zu einem Motor für Effizienz oder Innovation. Aber der vielleicht wichtigste Kritikpunkt ist, dass der Fokus auf die Infrastruktur von einem dringlicheren Thema ablenkt: dem Einsatz von KI.

Europa war in der Vergangenheit bei der Einführung digitaler Technologien eher zögerlich. Einige Führungskräfte, wie zum Beispiel Klein von Âé¶¹Ô­´´, sind der Ansicht, dass es wichtiger sei, den Einsatz von KI in sämtlichen Branchen voranzutreiben, und weisen darauf hin, dass die Infrastruktur allein nicht zu Produktivitätssteigerungen führen wird. Wenn beim Thema Souveränität die Infrastruktur überbewertet wird, könnte dies durch zusätzliche Komplexität und Kosten zu einer langsameren Einführung von KI führen. Klein betonte, dass es ein Fehler sei, den Schwerpunkt vorwiegend auf die Infrastruktur zu legen, wenn die Entwicklung von KI-Anwendungen und ‑Software darunter leidet.

Europa, sagte er kürzlich, solle vorrangig in angewandte KI und Softwarelösungen statt Infrastrukturen investieren. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres warnten auch Topmanager großer europäischer Unternehmen wie Capgemini und Ericsson vor einem zu protektionistischen Ansatz. Der Ausschluss oder die Einschränkung globaler Anbieter würde die Preise erhöhen, die Einführung von Technologien verlangsamen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen.  

Die Unternehmenssicht

Aus Sicht der Unternehmen entwickelt sich KI schnell zu einer universell einsetzbaren Technologie, und die Kosten der KI-Infrastruktur wirken sich unmittelbar auf die Produktivität aus. Wenn eine europäische KI-Infrastruktur teurer ist, besteht die Gefahr, dass europäische Unternehmen hinter globalen Mitbewerbern zurückfallen.

Während Datenresidenz und die anderen Elemente der digitalen Souveränität für einige Unternehmen, die in sensiblen und stark regulierten Bereichen tätig sind, von wesentlicher Bedeutung sind, besteht das Risiko, dass in der Debatte über Souveränität in Europa eine grundsätzlich globale Branche zu sehr vereinfacht wird. Oder wie Henna Virkkunen, Technologiechefin der Europäischen Kommission, es formulierte : „Niemand kann alleine wettbewerbsfähig sein.“  

Da die KI-Entwicklung aber von weltweit integrierten Lieferketten einschließlich Halbleitern, Software und Fachkräften abhängt, ist eine vollständig lokalisierte Infrastruktur möglicherweise weder realisierbar noch wünschenswert.

Statt eine zusätzliche Infrastruktur zur Unterstützung der KI-Entwicklung aufzubauen, sollte sich Europa auf seinen wahren Wettbewerbsvorteil besinnen, der in seinem Schatz operativer Daten liegen könnte – einer Ressource, die durch zu restriktive Vorschriften und Regeln für den Datenzugriff oft schwer zugänglich ist. Der Ruf nach Reformen wird daher unter Führungskräften in ganz Europa immer lauter.

Die Vereinfachung und Standardisierung der Regeln für den Datenzugriff würde europäischen Unternehmen dabei helfen, diese Ressource zu nutzen und mit internationalen Wettbewerbern wirkungsvoller zu konkurrieren, während für sie die nächste Phase der KI-Unterstützung beginnt – der Weg zum .

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