Hapag-Lloyd hat zwei Millionen Container mit Sendern bestückt, die in Echtzeit ihre Position melden. Âé¶¹Ô´´ nutzt diese Daten in seinen ERP-Systemen. Verspätungen werden so schnell sichtbar, Produktionspläne lassen sich anpassen. Profiteure sind Spediteure, Einkäufer und Produktionsplaner weltweit.
Logistiker standen und stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Erst brachten die Corona-Pandemie und ihre Folgen die weltweiten Lieferketten in nie gekanntem Maße durcheinander, heute behindern globale Konflikte den Schiffsverkehr – unter anderem in der Straße von Hormus.
Um trotz der damit verbundenen Verzögerungen und Unvorhersehbarkeiten planbar produzieren und liefern zu können, hatten viele Unternehmen ihre Läger zuletzt wieder aufgestockt – was zu hohen Kosten führte.
Container-Tracking und Echtzeitdaten bringen jetzt eine nie gekannte Transparenz in die Lieferketten und erlauben den Unternehmen dadurch, ihre Lagerbestände wieder zu senken.
Dazu liefert Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Container-Reederei weltweit, Live-Positionsdaten seiner Container. Âé¶¹Ô´´ nutzt diese Daten in seinen ERP-Systemen oder in der Cloud-Lösung Âé¶¹Ô´´ Business Network Global Track and Trace und verbindet sie mit den dort abgelegten Sendungs- und Materialinformationen. Hapag-Lloyd ist hier also nicht nur Âé¶¹Ô´´-Kunde, sondern auch Lieferant und Partner.
Wie die Zusammenarbeit begann, wie die Nutzer der Systeme davon profitieren und welche Möglichkeiten für die Zukunft sie noch bereithält, darüber sprachen wir mit Karsten Schmidt, Director, Product Owner Live Position/Track&Trace bei Hapag-Lloyd und Sven York Pohl, Chief Expert Digital Adoption bei Âé¶¹Ô´´ SE.
Hapag-Lloyd Container Tracking
- Das Logistikunternehmen hat weltweit zwei Millionen Standard-Container mit IoT Trackern ausgestattet, die in Echtzeit ihre aktuelle Position melden.
- Kunden können so webbasiert ständig nachverfolgen, wo sich ihre Sendung gerade befindet.
- Âé¶¹Ô´´ integriert diese Daten in ihre Cloud-Lösung Âé¶¹Ô´´ Global Track and Trace und bettet sie in ihr Cloud ERP-Backend-Systeme ein.
- Langfristig sollen diese Systeme für den Fall von Transportverzögerungen proaktiv Alternativen und konkrete Handlungsempfehlungen für ihre Umsetzung vorschlagen.
- Dabei wird auch die generative KI-Lösung Joule zum Einsatz kommen, die in Âé¶¹Ô´´s Cloud-Portfolio integriert ist.
News Center: Das Tracking von Transporten hat sich in den zurückliegenden Jahren drastisch verändert. Welche Ereignisse haben die Innovationen ausgelöst?
Sven York Pohl: In Zeiten von Corona mussten wir erleben, dass sich Lieferungen massiv verzögerten. Und wir lernten, dass Logistikprozesse viel zu intransparent sind.Â
Karsten Schmidt: Bisher werden nur Meilensteine des Seetransports wie der Eingang des Containers im Hafen oder die Verladung auf das Schiff getrackt. Wir wussten, wann eine Lieferung aufs Schiff umgeladen wurde und wann der Container den Hafen in Hamburg verlassen hat. Wenn er anschließend aber nicht in München ankam, konnte niemand sagen, was passiert war.
Und wie funktioniert das Tracking heute?
Schmidt: Nach Corona hatten wir entschieden, alle nicht gekühlten Container mit IOT-Trackern auszustatten, also mit Sendern, die laufend ihre Position mitteilen. Mitte 2024 hatten wir 90 Prozent unserer Container entsprechend ausgerüstet. Seitdem tracken wir weltweit über zwei Millionen Container und liefern bei den Landverkehren alle 15 Minuten – auf dem Seeweg alle sechs Stunden – Live-Ereignisdaten. So können unsere Kunden auf einer Webseite genau die Reise „ihrer“ Container nachverfolgen.
Wie entstand die Kooperation zwischen Hapag-Lloyd und Âé¶¹Ô´´?
Pohl: Ich begleitete zu jener Zeit ein Âé¶¹Ô´´-Transformationsprojekt bei Hapag-Lloyd, traf deshalb Karsten Schmidt ohnehin häufiger. Uns beiden war von Beginn an klar, dass die Positionsdaten nicht nur für das Logistikunternehmen ein Goldschatz sind, den es zu heben gilt – sondern auch für deren Kunden. Wer genau weiß, wann ein Vorprodukt ankommt – oder um wie viele Tage es sich verspäten wird – der kann seine Weiterverarbeitung punktgenau planen. Das gelingt natürlich am besten, wenn ich die Positionsdaten nicht nur auf einer eigenständigen Webseite sichtbar mache, sondern wenn sie integraler Bestandteil jener Anwendungen werden, mit denen ich meine Produktion und meine sonstigen Geschäftsabläufe steuere. Karsten Schmidt und ich sprachen also drüber, wie die Positionsdaten in Âé¶¹Ô´´ ERP-Systeme gelangen konnten.
Welche Âé¶¹Ô´´-Anwendungen nutzen die Daten?
Pohl: Die Cloud-Lösung Âé¶¹Ô´´ Business Network Global Track and Trace bietet Unternehmen eine durchgängige und transparente Echtzeit-Sendungsverfolgung über die gesamte Lieferkette hinweg. Und sie ermöglicht eine native Einbettung der Daten in Backend-Systeme wie zum Beispiel Âé¶¹Ô´´ S/4HANA. Hier lassen sich zum Beispiel Alerts einbinden, die kontinuierlich zeigen, wo sich ein Container gerade befindet. Nutzbar sind die Daten auch über das Âé¶¹Ô´´ Business Network for Logistics. Die cloudbasierte Kollaborationsplattform für Lieferketten verbindet Verlader nahtlos mit Logistikdienstleistern und Speditionen. Echtzeitdaten wie die von Hapag-Lloyd sorgen hier nicht nur für Transparenz, sondern durch die nahtlose Rückverfolgbarkeit von Materialen auch für maximale Sicherheit und Nachhaltigkeit in der Lieferkette.
Welche Zielgruppen profitieren in erster Linie von den Hapag-Lloyd-Trackingdaten?
Schmidt: Zunächst Logistikmanager, die möglichst exakt wissen müssen, wo sich ihre Container gerade befinden – und wann sie ankommen. Zudem erlauben die Daten auch Rückschlüsse über die Nachhaltigkeit der Transportkette. Außerdem Lagerplaner, die ihre Warenbestände so klein wie möglich halten wollen – aber nicht zu klein. Und natürlich Transportunternehmen, die ihre Routen so verlässlich wie möglich planen wollen. Darüber hinaus können die Trackingdaten auch Zahlungsprozesse beeinflussen.
Wie hilfreich und notwendig das Tracking für die Planung von Routen ist, hat vermutlich auch der aktuelle Konflikt im Nahen Osten deutlich gemacht?
Schmidt: In der Tat. Zuletzt waren unzählige Container vom Persischen Golf quer durch Saudi Arabien zum Hafen von Dschidda am Roten Meer transportiert worden, um von dort verschifft zu werden. Dabei zeigt mir unsere Contrainer-Tracking-Lösung kontinuierlich den gewählten Landweg an und wo sich ein Container gerade befindet.
Und wenn dieser Container irgendwo festhängt, wenn die Reise nicht weitergeht? Welche Hilfestellung leistet das System in diesem Fall?
Schmidt: Daran arbeiten wir gerade. Normalerweise rufen die meisten Kunden unseren Customer Service an, wenn sie wissen wollen, wo ihr Container gerade ist. Bei 15.000 festhängenden Containern im Persischen Golf konnten wir das Aufkommen aber telefonisch nicht mehr bewältigen. Deshalb gewährten wir allen Kunden – also auch jenen, die diesen Service nicht gebucht hatten – Zugang zum Live Positioning. In dieser Extremsituation wurde sichtbar, was für eine große Arbeitserleichterung dieser Schritt auch für unsere Abläufe bedeutet.
Pohl: Âé¶¹Ô´´-Nutzer werden langfristig die Möglichkeit haben, die von ihnen genutzte Software nach Handlungsoptionen zu befragen, nach alternativen Transportwegen oder -mitteln.
Schmidt: Wenn zum Beispiel ein Schiff verspätet ist und Anschluss für den Transfer auf die Schiene verpasst, wird ihm das System sagen, ob ein Weitertransport per Lkw möglich ist und wie viel länger die Reise des Containers dann dauert – Predictive Service also.Â
Pohl: Wir werden für diesen Service auch die generative KI-Lösung Joule einsetzen, die in unser Cloud-Portfolio integriert ist. Ziel ist es, dass mir die KI konkrete Handlungsoptionen vorschlägt.
Schmidt: Natürlich wissen wir, dass bei Transporten über große Distanzen – auch und gerade auf dem Seeweg – Verspätungen niemals auszuschließen sein werden. Was wir aber eliminieren können ist das Gefühl der Machtlosigkeit, das Gefühl, Ereignissen, auf die ich keinerlei Einfluss habe, hilflos ausgeliefert zu sein.


