Bei der der Âé¶¹Ô´´ riefen Bundeskanzler Olaf Scholz und Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Zusammenarbeit zwischen Politik und Digitalwirtschaft auf.
Es gab viel Grund zu feiern am Freitagabend in der Âé¶¹Ô´´ Arena in Mannheim. Fünfzig Jahre nach ihrer Gründung sei die Âé¶¹Ô´´ das erfolgreichste deutsche Softwareunternehmen und Aushängeschild der deutschen Digitalwirtschaft, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz vor rund 850 geladenen Gästen.
Die Gründung der Âé¶¹Ô´´ 1972 habe zum Zeitgeist gepasst, so der Kanzler. Technikbegeisterung, Aufbruchstimmung und politisches Tauwetter im kalten Krieg prägten die Welt, als die fünf Âé¶¹Ô´´-Gründer mit einer Idee ihre eigene Revolution entfachten. Mit einer Standardsoftware, die alle Geschäftsprozesse im Unternehmen abbildet und Daten in Echtzeit zur Verfügung stellt, machten sie aus dem einstigen Start-up einen Weltkonzern.
„Heute erleben wir erneut tektonische Verschiebungen im Zeitraffer“, so Scholz. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe weitreichende Konsequenzen für Sicherheit, Energieversorgung und die Weltwirtschaft. Auch die COVID-19-Pandemie habe tiefgreifende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Spuren hinterlassen.
Gleichzeitig erlebe Deutschland aktuell den größten Umbau der Volkswirtschaft seit Beginn der Industrialisierung. „Denn die Transformation hin zu einer digitalen und klimaneutralen Wirtschaft ist Herausforderung und Lösung für die gegenwärtigen Probleme zugleich,“ so Scholz.
Er appellierte an die Zusammenarbeit zwischen Politik und Privatwirtschaft, um Potenziale aus Forschung sowie Innovation zu nutzen. Die von Âé¶¹Ô´´ entwickelte Corona-Warn-App sei nur ein Beispiel dafür, welches Potenzial in digitalen Lösungen stecke.
Hoffnung durch Innovation
„Die Geschwindigkeit, mit der wir in der Lage sind, Innovation in der Gesellschaft einzuführen, ist von zentraler Bedeutung für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, erklärte Scholz. In Krisensituationen bestehe immer die Gefahr, dass „viele sich an etwas klammern, das lange zurückliegt“, so der Kanzler. Doch momentan seien wir in „einer bemerkenswerten Phase“, in der das nicht stattfinde. Stahlarbeiter forderten von ihren Unternehmen Investitionen in die Produktionstechnik, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Beschäftigte in der Automobilindustrie erwarteten von ihren Konzernen mehr Engagement für Elektromobilität.
„Wenn wir es schaffen, die Gesellschaft mit Innovation voranzubringen, dann können wir gleichzeitig Hoffnung schaffen für unsere Gesellschaft, die so existenziell ist“, so Scholz.
Auch digitale Bildung sei „ein immens wichtiges Thema“, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, erklärte die Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner. Sie nahm an der von Johannes B. Kerner moderierten Gesprächsrunde mit Scholz und Âé¶¹Ô´´-Vorstandssprecher Christian Klein teil.
Man dürfe das Thema digitale Bildung nicht darauf reduzieren, Schüler:innen mit Geräten auszustatten. Stattdessen gehe es darum, digitale Fähigkeiten zu fördern, etwa die Fähigkeit zum agilen Arbeiten. Ebenso wie Klein gehört sie dem neu gegründeten Zukunftsrat der Bundesregierung an, der den Innovationsdialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft fördern soll.
Auch Klein plädierte für den Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Nur durch Zusammenarbeit ließen sich „globale Antworten auf globale Herausforderungen“ finden.
„Demokratie, Freiheit, Frieden“
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sieht das Jahr des Jubiläums als einen Wendepunkt in der Geschichte. Die Zeitenwende gehe auch an Âé¶¹Ô´´ nicht spurlos vorbei, betonte Kretschmann. Europa müsse alles daran setzen, um Lieferketten zu kontrollieren, in puncto Rohstoffe und Energie unabhängiger zu werden und in den entscheidenden Feldern eigenständig und handlungsfähig zu sein.
Eines dieser Felder sei die Informationstechnologie. „Wir müssen in der Lage sein, den Algorithmen unseren Code einzuschreiben, der da lautet: Demokratie, Freiheit, Frieden.“ Dabei setze die Politik auf eine enge Kooperation mit der Digitalwirtschaft. So hatte jüngst die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, die an einer nationalen Sicherheitsstrategie arbeitet, die Âé¶¹Ô´´ besucht.
„Die Zukunft wird uns einiges abverlangen“, erklärte der Ministerpräsident. Doch man könne zu guten Lösungen kommen, indem man ohne Scheuklappen miteinander rede und gemeinsam passgenaue Lösungen entwickele.
Menschlichkeit und Mut zum Wandel
Lösungsorientierung und Kundenfokus stehen auch für Klein im Mittelpunkt. Diese Werte hätten die Âé¶¹Ô´´ zu dem gemacht, was sie heute ist. „Diesen Teil unserer DNA dürfen wir niemals verlieren“, betonte er. Er selbst habe von den Gründern den Mut zum Wandel gelernt sowie die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und den Status quo in Frage zu stellen.
Sowohl technische Neuausrichtungen, etwa der , als auch die globale Expansion hätten in der Vergangenheit immer wieder entschlossenes Handeln vom Führungsteam der Âé¶¹Ô´´ gefordert. Das gelte auch aktuell für den Umstieg in die Cloud, mit dem Âé¶¹Ô´´ einen Strategiewechsel vollzieht.
Es sei nicht immer einfach, Kunden zu überzeugen, weil sie so zufrieden mit ihren Âé¶¹Ô´´-Systemen seien, erklärte auch Kretschmann und bezog sich auf das neue Cloud-Geschäftsmodell der Âé¶¹Ô´´. „Das Beste ist der Feind des Guten, also muss Âé¶¹Ô´´ sich sozusagen selber schlagen,“ so der Ministerpräsident.
Bei allen Veränderungen dürfe man die Menschlichkeit nicht vergessen, die ebenfalls zur DNA der Âé¶¹Ô´´ gehöre. Nur als Team könne man den Herausforderungen der Zeit begegnen. „In dieser schwierigen Zeit brauchen wir mehr Menschlichkeit und Mut zum Wandel“, schloss Klein.
Fotografie: Ingo Cordes
